Herzlich Willkommen!

Exkursion zum Teschenauer- und Kannengießer Berg mit Daniel Glanzner

Lorsch. Vereinfacht gesagt, sind Dünen Erhebungen aus Sand, der vom Wind angeweht und abgelagert wurde. Betrachtet man das Gelände der Stadt Lorsch, so kann gesagt werden, dass die Stadt auf Dünensand gebaut ist. Genannt seien dabei nur zwei Dünen, der Wingertsberg und der Sachsenbuckel. Eine der höchsten Erhebungen ist die Neckarstraße, ebenfalls eine Düne. In südlicher Richtung liegen der Teschenauer Berg, die ehemalige Mülldeponie von Lorsch. Nach der Wattenheimer Brücke erhebt sich östlich der 104 Meter hohe Kannengießer Berg. Westlich bildet der Feuerstein Berg eine Düne, der Ort des Lorscher Wasserwerk. Warum diese Dünen so heißen, das wussten weder Daniel Glanzner aus Einhausen, noch Lorschs Ehrenbürgermeister Klaus Jäger. Der Feuersteinberg habe vermutlich seinen Namen, weil dort einmal Feuersteine gefunden worden sein sollen, meinte Herbert Hartnagel, einer von 30 Teilnehmern der Exkursion des Lorscher Vogelvereins. Es ging dabei um die Entstehung von Dünen und den Verlauf des alten Neckarbetts. Der 28jährige Daniel Glanzner, der Geografie studiert hatte und als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Geografie der Uni Frankfurt arbeitet, erwies sich als Fachmann in Theorie und Praxis. „Nur wer etwas kennt und schätzt, wird sich dafür einsetzen“, begann er seine Erklärungen am Fuß des Teschenauer Bergs.

Mit einem Plastikhammer schlug Tobias Herbert den Metallstab für eine Bohrung in den Kannengießer Berg, beobachtet von Christian Zurek, links, und dem Referent Daniel Glanzner. ML/BILD: WEINBACH

Auf dem etwa 104 Meter hohen Kannengießer Berg, einer Sicheldüne, erklärte der Geograf Daniel Glanzner, links, anhand einer Karte deren Entstehung. ML/BILD: WEINBACH

Daniel Hartnagel hielt die Karte mit den Dünen des Teschenauer-, Kannengießer- und Feuersteinbergs, an denen Daniel Glanzner die Entstehung erklärt. ML/BILD: WEINBACH

Er hatte auch einige Karten mitgebracht, anhand derer er die Entstehung und den Verlauf der Dünen und den mäandernden Lauf des ehemaligen Neckarbettes verdeutlichte. Erdgeschichtlich gehe die Entwicklung der Dünen zurück bis in die Zeit des Tertiär. Grundlage dafür sei der rund 300 Kilometer lange und 40 Kilometer breite Oberrheingraben, der vom Taunus bis Basel reiche. Die Basis seien Gneis und Granit gewesen, versehen mit einer Deckschicht. Im Laufe der Jahrtausende habe sich die Erde infolge von Vulkanismus aufgewölbt und gedehnt. In der hiesigen Region gab es subtropisches Klima mit Meereseinfluss, zu erkennen an tertiären Fossilien im Oberrheingraben. Vor rund 2,6 Millionen Jahren sei der Graben mit Flugsand aufgefüllt worden, wichtig für die Entstehung von Dünen. Es war die Zeit der Bildung von Flüssen, es habe warme und kalte Klimaphasen gegeben. In der pflanzenfreien Zeit sei der Boden nicht stabil gewesen, es gab wenig Wasser und der Wind habe Schotter und Sand verweht. In wärmerer Zeit verbreiteten sich Pflanzen, stabilisierten den Boden, Flüsse mäanderten. Es entstanden Dünen mit einem Verlauf von Nord nach Süd in Sichelform. Auf der Westseite, wo der Wind den Sand angeweht hatte, blieben die Dünen flach, nach Osten hin fielen sie steil ab. Sehen konnten das die Teilnehmer auf dem Kannengießer Berg. Dort trieb Tobias Herbert mit einem dicken Kunststoffhammer einen Bohrstab in den Boden. Herausgezogen konnte erkannt werden, welche Bodenschichten dort abgelagert sind. Es war kalkhaltiger Flugsand. Die Teilnehmer bemerkten auch, dass sich die dort stehenden Kiefern in östlicher Richtung bogen, hervorgerufen durch Westwind. Flugsandböden seien wichtig für den Spargelanbau, der auch in Lorsch betrieben werde. Bevor die Exkursion am Freizeitplatz an der Wattenheimer Brücke beendet wurde, marschierten alle Interessenten noch zur Wolfslache, östlich der Wattenheimer Brücke. Warum Wolfslache, wusste niemand. Lache deute aber auf Wasser hin, siehe Erlache, und an diesem Punkt verliefen einst die Flussschlingen des Neckars. Durch die Trockenlegung des Rieds und landwirtschafte Nutzung war da kaum noch etwas von Feuchtigkeit vorhanden. Der Neckar sei bis vor 1200 Jahren entlang der Bergstraße gelaufen, auch durch die Langwiese, und bei Trebur in den Rhein gemündet. Der Neckar selbst mündet bei Mannheim in den Rhein. Christian Zurek bedankte sich im Namen des Vogelvereins bei den fach- und sachkundigen Referenten. ml

Weitere Bilder von der Exkursion gibt es hier:

BILD: WEINBACH

Zu diesem Beitrag gibt es noch keine Kommentare!
Achtung: Dies ist kein Kontaktformular!
Möchten Sie Kontakt zu den Betreibern dieser Seite aufnehmen, besuchen Sie bitte unsere Kontaktseite!

Antworten: