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„Bienen-Papst“ Prof. Dr. Jürgen Tautz informierte über die Geschichte von Bienen und Blumen

Lorsch. Hatten der Lorscher Vogelschutzverein und der NABU Bergstraße Anfang des Monats November mit dem „Meisen-Kaiser“ Karlheinz Schmidt einen Fachmann eingeladen, der über den Bezug zwischen Vögeln und Klimawandel referierte, so informierte jetzt der „Bienen-Papst“ Prof. Dr. Jürgen Tautz, 1949 in Heppenheim geboren, Verhaltensforscher, Soziobiologe, im Winterhaus im Vogelpark Birkengarten über die Erfolgsgeschichte von Bienen und Blüten. Tautz hat mehrere Bücher geschrieben über die faszinierende Welt der Bienen. Sein neuestes Werk lautet „Die Erforschung der Bienenwelt, neue Daten, neues Wissen“. Begrüßt wurde der Wissenschaftler von Nicolas Chalwatzis, Vorsitzender des NABU Bergstraße und von Nicolai Poeplau, Vorsitzender des Lorscher Vogelvereins.

Die Geschichte der Bienen, so der Experte, sei erkennbar an Höhlenzeichnungen in Spanien, die vor 12000 Jahren entstanden sind. 2500 vor Christus gab es Bienenhaltung in Ägypten. In Europa sei der „Lorscher Bienensegen“ aus dem 10. Jahrhundert von Bedeutung. Christian Konrad Sprengel hat 1793 ein Buch über Bienen veröffentlicht. Prof. Tautz verwies auf die Bedeutung der Bienen für Lebensmittel. Ein Drittel hänge direkt von Bienen ab, indirekt sei es noch mehr. Bei einer Bevölkerung von über sechs Milliarden Menschen sei mit Hunger zu rechnen, wenn das Leben der Insekten bedroht sei. 4,5 Millionen Jahre seien Blüten von Wind und Wasser bestäubt worden bis die Insekten gekommen seien. Dazu gehörte der Rosenkäfer. Der fresse zwar auch Blüten, trage aber auch Blütenstaub weiter. Mit den Bienen sei seit 30 Millionen Jahren eine Bestäubung erfolgreich geworden. Bienen finden Nektar als Nahrung in Blüten, sammeln Pollen in ihrem Pelz. Bienen können Blüten mit der Intelligenz ihrer Sinne erkennen. Man spricht davon, dass sie etwa 170.000 Blütenarten bestäuben. Wenn sie eine Blüte erkannt haben, bleiben sie den ganzen Tag dran. Vor Jahrtausenden seien Blüten nicht so bunt gewesen wie heute. Diese Insekten haben Facettenaugen, zusammengesetzt aus 6000 Punkten. Sie erkennen Wiesenblüten aus der Entfernung nur gepixelt aber gestochen scharf, wenn sie mit 30 Km/h vorbeifliegen.

Nicolai Poeplau, links, Vorsitzender des Lorscher Vogelvereins, und Nicolas Chalwatzis, Vorsitzender des NABU Bergstraße, rechts, begrüßten den „Bienen-Papst“ Prof. Dr. Jürgen Tautz im Winterhaus im Birkengarten. ML/BILD: WEINBACH

Bienen zieht es zur Farbe blau, rot erkennen sie nicht, wohl aber blau, grün ist für sie weiß. Bienen schaffen sich in ihrem Stock eine eigene Welt, mehr als alle anderen Lebewesen. Sie bilden einen Staat in dem alles geboten wird, Nahrung, Temperatur, Feuchtigkeit. Sie verlassen ihren Stock nur, um Energie zu sammeln. Sie haben eine Königin (größtes Exemplar), die immer fressen muss, die pro Tag 2000 Eier legt. Die Drohnen sind nur da zur Begattung der Königin, „sie explodieren beim Sex und sterben“, erklärte Prof. Tautz bildhaft. Die Arbeiterinnen sind die Allzweckwaffe, die alles kann. Sie bauen Waben aus Wachs, eigentlich rund, werden mit dem Alter aber sechseckig. Sie erwärmen den Stock bis auf 40 Grad Celsius. Da wird das Wachs Flüssig und ist leicht zu verarbeiten. Es gibt Bienen unterschiedlichen Alters. Nur die Seniorinnen sind Sammelbienen, fliegen nach draußen wo sie aber Feinde haben. Bienen sind nicht von Geburt an klug, werden mit dem Alter intelligenter. Wenn sie eine Blüte erkannt haben an Form und Duft, vergessen sie es nie. Bienen finden auch immer wieder den Weg nachhause, verfliegen sich auch kaum in einem Irrgarten. Sie erkennen Menschen, die sie belohnen, am Gesicht, selbst wenn ein gezeigtes Bild auf dem Kopf steht. Sie erkennen auch abstrakte Bilder von Picasso oder Monet. Bienen bilden Schwärme (Schwarmintelligenz), fliegen aus, suchen ein neues Zuhause, am besten eine nicht zu große und nicht zu kleine Höhle für ihr neues Volk. Pfadfinderbienen fliegen voraus. Die eine findet eine Bretterbude, die andere ein modernes Appartement. Eine Biene, die eine optimale Wohnung gefunden hat, tanzt (das ist die Kommunikation) etwas zögerlich. Wer schneller tanzt hat eine bessere Wohnung, bis die schnellste Tänzerin bestimmt, wo es hingeht. Nach rund 60 Minuten beendete Jürgen Tautz seinen Vortrag, belohnt mit Beifall und kurzfristig fortgesetzt mit einer Diskussion wo die eine oder andere Frage geklärt werden konnte. ml

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