Herzlich Willkommen!

Meine Damen und Herren, liebe Freunde der Vogelliebhaberei und Vogelkunde – mein Vortragsthema am heutigen Tag ist die Ernährungsweise, sind die Nahrungspflanzen einheimischer und fremdländischer carduelider aber auch fringillider Finken im Wechsel der Jahreszeiten.

Der Vortrag soll sowohl den feldornithologisch Interessierten als auch den Pfleger carduelider Finken gleichermaßen ansprechen. Denn, beide vogelkundliche Themenbereiche sind bestens dazu geeignet sich zu ergänzen und voneinander im Wissen um die Bedürfnisse der Gefiederten – in unserem Falle den Cardueliden – zu profitieren. Das bedeutet, Feldbeobachtungen, Feldstudien in Einklang mit der angewandten Vogelkunde, der Vogelliebhaberei und Pflege zu bringen. Gerne will ich die Gelegenheit nutzen um bei der Besprechung der Nahrungspflanzen, der Wildkräuter in heimischem Wald und Flur wenn auch nur kurz – auf deren besondere Bedeutung als überaus wirksame Heilkräuter hinweisen.

Nicht umsonst und nicht von ungefähr ist die Erkenntnis von der Wiese als Apotheke Gottes bis in die Jetztzeit getragen und unzählige Male durch Heilerfolge eindrucksvoll bestätigt worden.

Doch das ist nicht mein Hauptthema an diesem Tag. Mein Hauptthema sind die für die Ernährung und das Wohlbefinden unserer Cardueliden in freier Natur zur Verfügung stehenden Futterpflanzen. Leider werden viele dieser Wildkräuter immer noch, oftmals gedankenlos, als Unkraut bezeichnet und somit als minderwertig oder gar schädlich abgetan.

Diesem immer noch herrschenden Zeitgeist, diesem Ungeist möchte ich an dieser Stelle entschieden widersprechen! Denn, die am meisten verdammten Unkräuter wie z. B. die Brennnessel ( Urtica dioica, Urtica urens ), wie der Löwenzahn ( Taraxacum officinale ), wie die Vogelmiere ( Stellaria media ), wie das Hirtentäschel ( Capsella bursa – pastoris ) sind es die als Vogelfutterpflanzen aber auch als ausgewiesene Heilkräuter und Salatkräuter ganz besondere Beachtung erlangt haben.

Aber es sind nicht nur die Wildkräuter die unsere Aufmerksamkeit als Nahrungspflanzen für Cardueliden auf sich ziehen. Denn, es gibt auch eine stattliche Anzahl von Baumsämereien und Beeren die als Herbst – und Winternahrung für unsere Gefiederten dienen. Bekannt sind da der Samen der Rotbuche ( Fagus sylvatica ) Bucheckern genannt, die in Mastjahren den Buchfinken ( Fringilla coelebs ) und deren nordischen Verwandten, den Bergfinken ( Fringilla montifringilla ) willkommene Winternahrung bieten, als auch die hartschaligen Nüsse der Weißbuche, Hainbuche ( Carpinus betulus ), die im hartgetrockneten Zustand nur der Kirschkernbeisser öffnet, sowie die geflügelten Samen der drei in Deutschland bestandsbildenden Ahornarten. Der Spitzahorn ( Acer platanoides ) dessen Blatt die Landesfahne Kanadas ziert – der Bergahorn ( Acer pseudoplatanus ) und der kleinste der drei, der Feldahorn ( Acer campestre).

Bedeutungsvoll sind auch die zungenförmigen, geflügelten Nussfrüchte der Schwarzesche, auch Gewöhnliche Esche ( Fraxinus exelsior) genannt,  der verschiedenen Birkenarten  z. B. Hängebirke ( Betula pendula)  und der Schwarz – oder Roterle ( Alnus glutinosa) dem einzigen Laubbaum übrigens der Zäpfchen trägt. Der Vollständigkeit halber seien an dieser Stelle noch die Grauerle ( A. incana ) und die Grünerle ( A. virdis) genannt.

ein „verdammtes Unkraut“ – der Löwenzahn

Vogemiere

Nicht unerwähnt dürfen die ölhaltigen Samen der Rotfichte ( Picea abies) und nahe Verwandte Fichtenarten, der Waldkiefer ( Pinus sylvestris) und nahe Verwandte Kiefernarten , Weistanne ( Abies alba)  und nahe Verwandte Tannenarten aber auch der Europäischen Lärche ( Larix decidua) bleiben, die vor allem die Nahrungsgrundlage für die drei paläarktisch beheimateten Kreuzschnabelarten –Fichten -, ( Loxia curvirostra ), Kiefern ( Loxia pytyopsittacus ) – und Bindenkreuzschnabel ( Loxia leucoptera ) bilden.

Aber auch der nordische Hakengimpel (Pinicola enucleator ) und die Birkenhänflinge ( Acanthis spec. ) profitieren von den Nadelbaumsämereien. Bei den beerentragenden Bäumen und Sträuchern sind die Eberesche ( Sorbus aucuparia ) und der Liguster ( Ligustrum vulgare ) mit seinen schwarz – blauen, bis in den März des Folgejahres hinein am Strauch hängenden Beeren stellvertretend zu nennen. Aber auch der wintergrüne Feuerdornstrauch ( Prycantha spec. ) mit seinen orangegelben bis feuerrot leuchtenden Früchten ist ein begehrtes Nahrungsangebot für Herbst und den frühen Winter.

Feuerdorn

Efeu

Ebenso begehrt sind die Hagebutten der Hundsrose ( Rosa canina ) und der Sumpfrose ( Rosa palustris ) . Mithin sei an dieser Stelle auch das ebenfalls immergrüne Efeu (Hedera helix) erwähnt, dass Dolden mit schwarzenblauen Beeren bildet die in den ausgehenden Wintermonaten von dickschnäbeligen Körnerfressern wie dem Kirschkernbeißer ( Coccothraustes coccothraustes ) und dem Grünfinken (Chloris chloris) angenommen werden. Wobei, und das ist von Interesse, nicht das Fruchtfleisch ist für die Finken das Objekt der Begierde, sondern die Samen, die Samenkerne die in den Beeren eingebettet sind. Dies gilt übrigens für alle genannten Beerenarten. Aber auch die in den letzten Jahren so sehr durch den Usutu – Virus in ihrem Bestand reduzierte Amsel ( Turdus merulus ) u. natürlich die Stare (Sturnus vulgaris) nehmen die schwarzen Beeren als zusätzliche Winternahrung  bzw. Frühjahrsnahrung gerne an. Die aus Nordamerika kommende und ebenfalls bestandsbildende Traubenkirsche ( Prunus padus ) – die aus deutschen Ried – und Auwäldern kaum mehr wegzudenken ist – liefert mit ihren kleinen aber sehr aromatisch schmeckenden Früchten/Kirschen die herbstliche Nahrungsgrundlage für Drosseln aber auch den Kirschkernbeißer der mühelos in der Lage ist die Kirschkerne aber auch die Nüsschen der Weißbuche, gemeint sind die Samen der Hainbuche, zu öffnen. Der Kirschkernbeißer ( Coccothraustes coccothraustes ) ist mit seinem dem Nahrungserwerb, quasi der ökologischen Nische, angepassten Schnabel in der Lage einen Druck von nahezu 75 Kg. aufzubringen. Das ist schon eine beachtliche Kraftleistung für einen Finkenvogel von gerademal 40 Gramm Lebendgewicht. Nebenbei bemerkt dienen die grünen, noch weichen Traubenkirschen dem Kernbeißer als gutes Aufzuchtsfutter für seine Jungvögel.

Die Verwendung dieser noch weichen, grünen Traubenkirschen in der Finkenernährung und Aufzucht bieten sich für alle fremdländischen Kernbeisserspezies aber auch den Hakengimpel und den Grünfinken (Chloris chloris) nahezu an und sollten vom Vogelpfleger eifrig genutzt werden. Doch nicht nur die Gefiederten bedienen sich am überreichen Angebot der ausgereiften, süßaromatisch schmeckenden Traubenkirschen. Auch heimisches Raubwild wie der Fuchs ( Vulpes vulpes ) der Steinmarder ( Martes foina ) und Meister Grimbart, der Dachs (Meles meles) und nicht zuletzt Allesfresser wie das heimische Schwarzwild ( Sus scrofra ) nehmen gerne und reichlich die herabgefallenen Kirschen auf. Somit findet auch dieser Neophyt aus Nordamerika seine Stellung in der langen Reihe bedeutender Futterpflanzen.

Neben den Samen und Beeren werden von den Cardueliden auch die Knospen – sowohl Blatt – und Blütenknospen -, Rinden und Nadeln bestimmter Bäume und Sträucher gerne und reichlich verzehrt.

So kam es auch in früheren zurückliegenden Jahrhunderten immer wieder zu Problemen beim Obstanbau wenn namentlich die Dompfaffen ( Pyrrhula pyrrhula ) scharenweise in Obstplantagen einfielen und die Blütenknospen abernteten. Natürlich sehr zum Leidwesen der Obstbauern für die der wunderschöne, anmutiger Fink damals zum ernstzunehmenden Nahrungskonkurrenten wurde. Wie aber damals mit Nahrungskonkurrenten umgegangen wurde ist hinlänglich bekannt und weiss Gott keine Ruhmestat gewesen.

cosmea

Cosmea

felsenbirne

Felsenbirne

wiesenflockenblume

Wiesenflockenblume

Wie gesagt, damals – Heute stellt sich das Problem nicht mehr!

Der Bestand an Dompfaffen ( Pyrrhula pyrrhula ) ist auf ein kritisches Maß zusammengeschmolzen. Diese Tatsache ist heute auf den knapper werdenden Lebensraum, der intensiven landwirtschaftlichen Flächenbearbeitung und Nutzung und, wohl auch auf den Einsatz div. chemischer Mittel wie Herbizide, Pestizide, Fungizide zurückzuführen. Umso mehr gilt es das zum Teil nur noch spärlich vorhandene Nahrungsangebot für unsere Gefiederten zu erhalten und, hoffnungsvoller Weise, durch Schutz bzw. Renaturierungsmaßnahmen zu erweitern.  Allein das umpflügen einer Brache bringt im ersten Frühjahr sehr begehrte und wertvolle Wildkräuter, Futterpflanzen zu Tage die neben den Finken, Ammern und den beiden in Deutschland beheimateten Sperlingsarten sowie auch den heimischen Taubenarten – Hohltaube (Columba oenas ), Turteltaube ( Streptopelia turtur ), Türkentaube ( Streptopelia decaocto ), Ringeltaube  ( Columba palumbus ) und, soweit überhaupt noch vorhanden, den Rebhühnern ( Perdix perdix ) und Fasanen ( Phasianus colchicus ) zugutekommen. Zu diesen wertvollen Pionierkräutern zählen in erster Linie die wuchsfreudige Vogelmiere, das Hirtentäschel – diese vom Girlitz ( Serinus serinus ) so bevorzugte Nahrungspflanze, die verschiedenen Storchenschnabelarten – also die Wildform der kultivierten Geranie. Beispielhaft sind da zu nennen der Weiche Storchenschnabel ( Geranium molle ), der Schierlings – Reiherschnabel ( Erodium cicutarium ), Ruprechtsstorchenschnabel (Geranium robertianum) oder auch stinkender Storchenschnabel genannt und der großwüchsige, blau blühende Wiesenstorchenschnabel ( Geranium pratense ).

Wir finden bei diesen Pflanzen der ersten Stunde auch das Stiefmütterchen ( Viola tricolor ), Acker –Vergißmeinnicht ( Myosotis arvensis ) , Ampferknöterich ( Polygonum lapathifolium ) Windenknöterich ( Fallopia convolvulus ) , Sauerampfer ( Rumex acetosa ) , Acker – Gänsedistel  ( Sonchus arvensis ) , Stachellattich ( Lactucaserriola ) , Beifuß ( Artemisia vulgaris ) und eine Reihe weiterer Kräuter die auch in meinem Bildervortrag noch zu sehen sein werden.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich die an Weg – und Straßenrändern wachsende hellblau blühende Wegwarte ( Cichorium intybus ) und die Sandboden liebende Virginische Nachtkerze ( Oenothera biennis )  deren kleine, ölhaltigen Samen insbesondere für Stieglitze, Hänflinge ( Acanthis cannabina ) aber auch Zeisige und Grünfinken eine wichtige Nahrungspflanze für den Winter sind. Natürlich dürfen auch die diversen Distelarten ( Carduus spec. ) in meinem Vortrag nicht vernachlässigt werden zumal diese von vielen Zeitgenossen als ,, Unkraut ,, verteufelte Pflanze die bevorzugte Nahrungspflanze des Distelfinken ist. Bei all dem dürfen wir natürlich nicht vergessen, dass Finken Nahrungsspezialisten sind die mit einem für die jeweilige Nahrungspflanze ausgebildeten Schnabel – dem täglichen Werkzeug für den Nahrungserwerb ausgestattet sind.

Als typische und auch für den Laien sehr verständliche Beispiele sind die bereits erwähnten Kreuzschnäbel deren gekreuzte Schnabelenden dazu dienen die Schuppen der Nadelholzzapfen auseinander zu drücken um dann mit ihrer kräftigen Zunge die Samen aus dem Bett zu lösen. Also, eine ganz typische Anpassung an den Nahrungserwerb. Als zweites Beispiel will ich den Stieglitz oder Distelfink nennen dessen Schnabel spitz und lang, quasi wie eine Pinzette ausgebildet ist. Dieses natürliche Werkzeug ist bestens geeignet unbeschadet Distelsamen aus den stachelbewehrten Samenständen der verschiedenen Distelarten zu ziehen. Daher erklärt sich auch bekanntlich der landläufige Name Distelfink. Farblich gesehen ist der Distelfink (Carduelis carduelis) der einzige heimische Vogel der in seinem Federkleid die deutschen Nationalfarben schwarz – rot – gold trägt.

Als drittes Beispiel für die Entwicklung von Extremitäten bei Finken sei der Kirschkernbeißer angeführt. Sein klobiger Schnabel ist für härteste Einsätze, sprich Samen, konstruiert. Wie bereits erwähnt ist dieser Finkenvogel in der Lage mit seinem Schnabel Druckgewichte um die 75 Kg. aufzubauen.  Wir sehen an diesen drei Beispielen was die Evolution durchaus erstaunliches geleistet hat.

Gänsedistel

Beifuß

Nachtkerze

Autor: Karlheinz Massoth

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